Die Muslimische Hochzeit

Die Muslimische Hochzeit


Das zentrale Erlebnis im Leben einer islamischen Frau ist seit jeher die Hochzeit. Bei der Hochzeit kann die Frau ihre Persönlichkeit sowie soziale Stellung in Form von reichem Goldschmuck und farbenfrohen, prachtvollen Kleidern zur Schau stellen – was sonst eher nicht üblich ist.



 

Die Hochzeit

Henna-Nacht

Die Henna-Nacht war und ist eine Feier, mit der die Braut Abschied vom Elternhaus nimmt. Sie findet am Abend vor dem eigentlichen Hochzeitstag statt. Früher war dies meist der Mittwochabend, mit der Einführung des freien Wochenendes verschoben sich die Feierlichkeiten auf die arbeitsfreien Tage. Die Henna-Nacht wurde im Haus der Braut ausgerichtet. Die weiblichen Verwandten aus der Familie der Braut und des Bräutigams sowie die Freundinnen der Braut nahmen teil. Die weiblichen Gäste trugen bei dieser Feier auch ihre Brautkostüme (bindalli). Die Braut war besonder prächtig geschmückt, ihr Haupt zierte ein roter Schleier. Während der Feier wurde gesungen und getanzt. Mit traurigen Liedern brachte man die Braut zum Weinen. Das auf einem Tablett angerührte Henna servierte man mit brennenden Kerzen. Henna aufzutragen galt als Glück bringend. Die damit bestrichenen Hände der Braut wurden zusammen mit einer Goldmünze in weißes Tuch eingewickelt und in rote Handschuhe gesteckt. Es war übrlich, dass auch die Gäste ihre Hände mit Henna bestrichen. Die Tradition der Henna-Nacht besteht bis heute


Dem Hennatag folgt der Hochzeitstag yaum al-'urs – die Braut trät ein in der Region übliches Hochzeitsgewand, welches immer rot und/oder Gold bestickt ist. Die Mutter schenkt der Braut ein Schmuckstück während des feierlichen Ankleidens – die anwesenden Frauen ein Geldstück. Diese Zeremonie ist ein Gegenstück zu der Zeremonie, die “der Kopfkuß” busat ar-ra's genannt wird. Am zweiten Hochzeitstag, dem „Tag der Präsentation“ yaum al-'ard, wird die Braut feierlich allen Mitgliedern ihrer neuen Familie vorgestellt. Den Namen „der Kopfkuss“ hat die Zeremonie deshalb, weil die Braut die Turbanbinde des Schwiegervaters küsst und ihm dadurch ein Zeichen der Ehre und Vertraulichkeit gibt. Vom Schwiegervater und von den Brüdern des Mannes bekommt die Braut Geld- und Schmuckgeschenke – durch diese Geschenke bekommen sie symbolisch das Privileg die Braut unverschleiert zu sehen.


Im Schein einer Öllampe begleiten alle weiblichen Eingeladenen die völlig verschleierte Braut in ihr neues Heim. Bei traditionellen antiken Hochzeitszügen symbolisiert die voran getragene Fackel, die am Familienherd entzündet wurde, die Fortpflanzung des Lebenslichtes auf die Kinder – dem Feuer wird nämlich eine reinigende Wirkung und abwehrende Kräfte gegen die Dämonen zugeschrieben. Heute nimmt man anstatt der Fackel, wie gesagt, eine Öllampe oder eine Kerze. Die Kerze brennt die ganze Nacht im Hochzeitszimmer.


Heutzutage trägt meist der Vater die Braut ins Haus des Bräutigams. Die Braut soll nicht mehr den Boden berühren bis die Ehe vollzogen wurde – insbesondere nicht die Schwelle, an der übel wollende Geister lauern könnten.


Darauf folgt die Hauptzeremonie – der djilwa, das ist die Entschleierung für und durch den Bräutigam. In Anwesenheit aller weiblichen Gäste finden die ersten Entschleierungen statt – es wird der umhüllende Burnus oder Haik abgenommen. Anschließend entschleiert der Bräutigam das Gesicht – jetzt wird die Braut in ein inneres Gemach begleitet und für den Bräutigam zurechtgemacht, der ihr den letzten Schleier – die Jungfräulichkeit – nehmen wird. Diese Zeremonie bezeichnet man als Hauptstück des Hochzeitsrituals. Während des Rituals der Entschleierung führt die Braut ihre mindestens 7, mit Gold und Flitter bestickten Kleidungsstücke vor, die sie als Aussteuer in die Ehe mitbringt.


Der Gürtel

Für die weiblichen Gäste gibt es gelegentlich Kaffee oder Tee mit Gebäck und Kuskus mit Hammelfleisch. Je nach Region werden Rosinen, Datteln oder Pflaumen mit gekocht. Serviert am das Gericht ohne Sauce, wird es durch versteckte Bonbons versüßt. Alle Gerichte und auch das angebotene Gebäck müssen süß sein, damit auch die Zukunft des Brautpaares so angenehm und süß wie die Speisen wird.


Der „Tag des Gürtels“ yaum al-hizam, ist der letzte Tag der Hochzeit. Die Braut bekleidet sich noch einmal mit dem Kostüm, welches mit Silber- und Goldfäden bestickt ist und allem ihr zur Verfügung stehenden Schmuck. Die Zeremonie - „den Gürtel umbinden“ ist einer der wichtigsten Bräuche. An diesem Tag bindet die frisch vermählte Frau sich erstmals wieder die Haare in ein Kopftuch und legt einen Gürtel an um anschließend mit Mehl und ein wenig Hefe ihr erstes Brat zu kneten. Die Braut hat es vermieden während des mehrtägigen Hochzeitsfestes eventuell vorhandene Knöpfe zuzumachen, die Haare in einem Kopftuch zu verknoten und einen Gürtel zu tragen. Die offenen Knöpfe und Haare sind Symbol zur Entbindung von dem Zauber „ribat“ (Verknotung) oder „tasfih“ (für unmündig erklären), der Mädchen bis zur Ehe vor dem Verlust der Jungfräulichkeit schützen soll.


Auch wenn der Zauber heute nur mehr vereinzelt durchgeführt wird, glaubt man dennoch, dass die offenen Haare und Knöpfe die Empfängnis erleichtern. Bei der Zeremonie des „Gürtelanlegens“ sollte ein kleiner Junge anwesend sein, damit das „empfangene Kind“ vielleicht ein Junge wird. Dieses Ritual markiert nicht nur den Beginn des Daseins als Ehe- und Hausfrau, sondern symbolisiert auch die Einbindung der jungen Ehefrau in ihr neues Zuhause.


Auch für den Bräutigam beginnt das Hochzeitsfest mit dem Hennatag, an dem er sich mit einem großen rituellen Bad auf die Hochzeit vorbereitet. Er übernimmt die Rolle des Königs, so wie die Braut die Rolle der Königin übernimmt. Zwei Männer dienen ihm als Minister und sorgen für die Einhaltung des „Protokolls“, das den richtigen und ungestörten Ablauf der Zeremonien gewährleisten soll. Die Minister sind auch verantwortlich, dass vom eigens gemieteten Festsaal nichts von der Ausstattung abhanden kommt.


Zu Beginn des Hennatages begibt sich der Bräutigam – wie gesagt – mit all seinen Freunden ins Hammam, um dort die rituellen Waschungen zu vollziehen. Ähnlich der Braut musste sich früher auch der Bräutigam einer Hennazeremonie unterziehen. Heute wird höchstens nur mehr die Spitze des kleinen Fingers verziert.


Am Hochzeitstag, dem nächsten Morgen, wird allen Gästen ein Mahl aus Kuskus und Lammfleisch serviert – danach begeben sich alle gemeinsam zum Frisör, wo sie auf Kosten des “Sultans“ einen neuen Haarschnitt bekommen. Nach dem Friseurbesuch zieht die Männerrunde fröhlich lärmend in der Stadt umher. Am Abend findet dich der große Zug in der Moschee zum feierlichen Abendgebet ein. Auch er Vorsteher der Gemeinde, der Imam ist anwesend und wünscht dem zukünftigen Familienvater zahlreiche Kinder und gibt ihm Ermahnungen für den neuen Lebensabschnitt mit auf den Weg.


Dem islamischen Gesetz nach ist es den Männern untersagt Körperschmuck, sowie Kleider aus Seide und Goldbrokat zu tragen. Davon ausgenommen sind aber Pferdedecken, Sattelzug, Waffen und Bucheinbände. Hat die Familie des Bräutigams wertvolle Familienstücke wie zum Beispiel ein kostbares Pferdegeschirr oder schön gearbeitet Waffen, wird nicht lange gezögert, und man lässt den Bräutigam mit prachtvoll geschmücktem Pferd und mit einem Dolch oder Schwert umgürtet nach Hause reiten. Ihm zu Ehren wird ein Teil seines Gefolges alles abfeuern, was die alten Flinten- und Pistolen hergeben, während der Rest darum bemüht ist, mit Kerzen und Fackeln dem Festzug eine entsprechend feierliche Beleuchtung zu geben.


Zu Hause angekommen ist in der Regel der Bräutigam der einzige der das Haus betritt. Gefolge zieht sich in den eigens dafür gemieteten Festsaal zurück. Der Bräutigam wird an der Türe von einer weiblichen Verwandten empfangen und zur Braut geführt – wo er ihr in Anwesenheit aller weiblichen Gäste den Schleier vom Gesicht nimmt. Nach dieser Entschleierung – der djilwa – findet das bereits beschriebene Zeremoniell der Kleidungswechsels statt, das aber auch an einem anderen Tag durchgeführt werden kann. Während das Fest noch voll im Gange ist, zieht sich das Paar, begleitet von den Brautjungfern, ins Hochzeitszimmer zurück, wo es sein erstes gemeinsames Mahl - nur von einem Teller – einnimmt. Danach wird die Ehe vollzogen.
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